Oh mein Gott - quo vadis Web 2.0?
Ich beschäftige mich gerade etwas intensiver mit dem CCC - und im speziellem dem ChaosRadio. Meine Suche nach einem einfachem und unkompliziertem Weg ein paar Worte mit Gleichgesinnten austauschen zu können führte mich letztendlich in den IRC-Channel #chaosradio. Und weil sich dort irgendwie alle schon kennen, strengte ich mal das liebe Google an, um wenigstens die bekanntesten Nicks mit entsprechendem CCC-Background assozieren zu können.
Wie es nun mal so ist im Netz, führt eine Suche eher selten zielgerichtet dahin wo man letzendlich hin wollte und so verirrte ich mich zum Podcast Betreff: Liebe. Kurz reingekuckt, neueste Folge angeklickt – und: Neidlos muss ich gestehen: Professionelle Aufmachung, sympathische Stimme – guter Duktus und klar formulierte Aussagen. Nur das über was die hübsche und sympathische 18jährige Carina von sich und ihrem Umfeld aus dem Nähkästchen herausplaudert. Schock!
Also kurz zusammengefasst – nach nur 2-3 Minuten die ich ihrer virtuellen Existenz bzw. ihrem Podcast gewidmet habe, weiss ich nicht nur wie Carinas aussieht, heisst und wohnt, sondern auch gleiches von ihrem neuen, 11 Jahre älteren frischgebackenen Freund. Das ganze natürlich unter völliger Aufgabe jeglicher persönlicher Privatsphäre dekoriert mit sehr intimen Kommentierung, die ich aber dann vorzeitig abbrechen musste: Ich hab’s nicht mehr ertragen! Besonders schockiert hat mich dann auch noch die Feststellung, dass der neue Freund ebenfalls über ein Podcast verfügt und in meiner Interpreation selbiges wohl letzendlich auch das initale, verbindende Moment darstellt. Wo sind wir gelandet? Ist nun das Internet vollständig zur narzistischen Selbstinszenierungsplattform verkommen?
Es steht mir fern zu kritisieren, dass immer mehr Menschen das Internet auch als Plattform zum Austausch intimerer Gedanken über das eigene, persönlichen Lebens nutzen. Gerade hier bietet das Netz viele neue Chancen und Möglichkeiten. Und letztendlich stellt ja auch dieses Blog nichts anderes als mein, wenn auch primär politisch orientiertes, Bedürfnis der Sendungwirkung zu erlangen.
Wenn ich mir aber meinen Kampf in meiner Bewertung darüber verinnerliche, ob ich hierfür wirklich meine vormalige Anonymität aufgeben soll und nun das dagegenstelle, so muss ich mich dem pessimistischem Kapitulations-Fazit von .get privacy nur vorbehaltslos anschliessen: Wir haben den Kampf längst verloren. Der Jugend von heute ist das Bewusstsein um die existenzielle Bedeutung und der Notwendigkeit der eigenen Privatssphäre offensichtlich schon längst nicht mehr vermittelbar. So haben wir in den letzten Jahren mit der zunehmenden Verbreitung des Internets sowieso bereits inhärent immer mehr die uns grundrechtlich zugesagte Kontrolle über die eigene Daten nahezu vollständig verloren. Mit dem Lifestyle-Trend heute gleiches in vollem Gallopp mit myspace, podster.de, ichunddu.de und Konsorten auch noch gleich selbst mit anzutreibend wohl dann vollständig.
An dieser Stelle wollte ich eigentlich einen Link zu einem sehr guten Video posten das hier eigentlich recht gut passen würde (das Mädchen das ihr Photo an der Pinnwand postet und es dann nicht mehr wegkriegt. Hat den jemand da?)


